Zügelhilfen

Nur wenn eine Zügelhilfe wohldosiert und gefühlvoll bei gleichzeitig treibenden Hilfen gegeben wird, kann sie dazu führen, dass sie beim Pferd als Hilfe verstanden wird, sich aufzunehmen, sich zu versammeln oder aber einfach verstanden wird, als Einleitung für eine neue Hilfe, eine neue Lektion oder aber einfach vom Reiter dazu genutzt wird , das Pferd auf sich aufmerksam zu machen.

Über Zügelhilfen wurden 1000de Texte publiziert. Viele davon sind verwirrend, zumindest aber komplex und kompliziert.

Es gibt

  • eine Parade (Um eine Parade zu geben, benötigt man auch die Zügel als Hilfe)
  • einen nach links oder rechtsweisenden Zügel
  • einen verwahrenden Zügel
  • Die Zügel helfen beim Biegen und Stellen
  • Die Zügel können dem Pferd Anlehnung bieten, ihm helfen, Anlehnung zu finden, ihm helfen eine korrekte und erhabenen Haltung einzunehmen und sich in dieser Haltung sportlich zu bewegen.
  • Man kan an den Zügeln ziehen – dann fügt man dem Pferd einen Schmerz auf Laden oder auf der Zunge zu, in einigen Fällen drückt das Gebiss auch auf den Kiefer.
  • Mit spezielen Gebissen ist der Reiter in der Lage eine Hebelwirkung auf den Kiefer des Pferdes auszuüben.
  • einen hingegebenen oder langen Zügel. Es gibt viele normale Situationen, wo ein Reiter auf einem Pferd sitzend, den Zügel nicht braucht. Dann läßt er ihn lang. Im Westernsport wird auch mit längeren Zügeln geritten, um zu zeigen, das das Pferd auch ohne Zügel, den Hilfen gehorsam folgt. Im Turniersport, der durch die FN organisiert wird, wird auch mit „Zügel aus der Hand kauen lassen“ demonstriert, dass ein Pferd mit langen Zügeln losgelassen und brav bleibt und sich, die Reiterhand suchend, nach vorwärts- abwärts dehnt.

Das Maul ist einer der empfindlichsten Orte des Pferdes. Man legt den Pferden ein Gebiss, ursprünglich aus Eisen oder Metall in das Maul, um sie beherrschen zu können und im Notfall mit einem schmerzenden Signal auf das Tier wirken zu können, damit auch ,überspitzt formuliert, eine kleine Frau 500 – 800 Tonnen „festhalten“ kann, falls sie davon stürmen wollen. Bänder aus Leder und Gurtstoff werden an den Gebissringen im Pferdemaul verschnallt. Das sind die eigentlichen Zügel, und die hält der Reiter beim Führen oder beim Reiten in der Hand.

Da aber die meisten Pferde die meiste Zeit gar nicht unkontrollierbar sind, zumindest nicht, wenn sie ausgebildet und erzogen worden sind, versucht der Reiter nun aus ethischen Gründen, so freundlich wie möglich mit diesem Notfall-Werkzeug „Gebiss“ umzugehen.

Das führte dazu, das die FN in ihren Richtlinien Reiten und Fahren, Umgangsrichtlinien mit den Zügeln und Zügelhilfen verbreitet und publiziert hat. Diese gelten heute in mehr oder weniger detailliert abgeänderter Form in den meisten Reitweisen.

Kriterien der Zügelhilfen aus den Richtlinien:
– Es soll eine stete und weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul bestehen – nur so kann es laut FN zu einer richtigen Anlehnung kommen, die es ermöglicht „korrekt“ auf das Pferd einzuwirken.
– Die Hand des Reiters sollte so geführt werden, dass Unterarm und Zügel eine gerade Linie bilden.
– Eine zu hohe Handhaltung ist fehlerhaft.
– Wichtigstes Kriterium ist eine Handhaltung, die völlig isoliert und unabhängig von den Bewegungen des Rumpfes des Reiters ist.
– Verdeckte Zügelfäuste machen es unmöglich, aus dem Handgelegnk heraus einfühlsame Zühelhilfen zu geben. Sie bewirken ein vermehrtes Arbeiten aus dem Ellenbogen und aus den Schultergelenken heraus.

– Vorrausstzung für eine weiche Zügelführung, d.h. eine weiche Hand, ist eine absolute Losgelassenheit in den Schulter- und Ellenbogen gelenken.

– Um einfühlsame Zuügelhilfen „korrekt“ mit Gewichts- und Schenkelhilfen zu verbinden, muß der Reiter in der Lage sein, jederzeit die Zügel nachzufassen und die Zügellänge entsprechned zu korrigieren. Da zu lange oder ungleiche Zügel die gefühlvolle Hilfengebung beträchtlich beeinträchtigen.

– Die Kopfhaltung des Pferdes spiegelt Sitzfehler besonders deutlich wieder: Das Nicken oder das Schiefhalten oder das Vorschieben des Kopfes deuten auf eine falsche Gewichtsverlagerung oder festgehaltene Mittelpositur des Reiters hin.