Ingrid Klimke Reiterforum

Am Montagabend fand im Norden am Trelder Berg in Buchholz in der Mercedes Benz Niederlassung Tesmer ein wurderbarer Abend in gutem Ambiente, mit Rot-, Weisswein oder Prosecco statt. Der Glasbau des Autohauses war bis zum letzten Platz mit dem Reitervolk aus der Umgebung gefüllt.

Zur Einstimmung moderierte der Intitiator des Mercedes Benz Reiterforums und der Vortragsreihe ” Alte Meister “, Frank R. Henning die Vorträge an. Auf seine Frage, wer denn schon einmal bei einem Reiterforum dabei war, meldeten sich tatsächlich fast alle Gäste. ” Brav. “, antwortete Henning.

Wenn man bedenkt, dass die meisten Gäste also treue Freunde der Vorträge der Reiterforen sind, dann hatte die Reitmeisterin und amtierende Mannschaftsweltmeisterin der Vielseitigkeit, Ingrid Klimke in ihrem Vortrag ” Die abwechslungsreiche Dressurausbildung von der Remonte bis zur schweren Klasse ” nicht viel Neues zu bieten. Hinterfragt wurde nichts, Schwierigkeiten oder Probleme hat sie offenbar kaum oder gar nicht.

Auf Video zeigte sie zunächst ihren Ritt durch den Cross in Hong Kong. Dabei kommentierte sie den Anstieg und den Abstieg im hügeligen Parcours über feste Hindernisse. Da passiert kein Patzer, alles läuft perfekt und auch noch sehr schnell. Klimke hat viel Lob für Abraxxas.

Danach beginnt ihr Vortrag, wobei sie einen ihrer Lehrfilme kommentiert. Den Kommentar ihres Mentors und Trainer Major a.D. Paul Stecken bleibt zusätzlich hörbar. Er verdeutlicht ihr immer wieder die Inhalte der HDV 12. Sie erläutert, dass sie mit den 3-4 Jährigen Pferden manchmal nichts anderes tut, als korrekt vorwärts abwärts und in höchst möglicher Dehnung zu reiten, und zwischenzeitlich die Anlehnung zu überprüfen und ein paar Takte auszusitzen.

Auf der Leinwand zeigt sie eine persönliche Arbeitseinheit aus jedem Ausbildungsjahr eines ihrer Sportpferde, häuptsächlich Dressman wird mit 4, mit 5 und mit 6 und 7 Jahren gezeigt. Dabei entsteht der Eindruck, dass hier mit Hilfe von Videobildern regelkonformes Reiten und perfekte Ausbildung demonstriert wird, wie sie idealerweise verlaufen sollte.

Bei den mit dem 5-Jährigen Dressman demonstrierten Übergängen, wird klar wie detailverliebt Ingrid Klimke an Kleinigkeiten arbeitet. Eigentlich gelingen alle gezeigten Übergänge, bis auf einer, der ein bischen stockend ist. Aber für sie haben die Übergänge alle eine unteschiedliche Qualität und sind nicht unbedingt gut. Sie erläutert genau, was sie auf dem Pferd tut, da man ja bei der perfect sitzenden Ingrid Klimke wirklich keine Bewegung sieht.

 

Spannend wird es für mich nur einmal, wo fliegende Wechsel das Thema sind. Hier wird deutlich, dass sie ganz konsequent vom ersten Wechsel an, nur diejenigen hornoriert, die wirklich von hinten nach vorne durchgesprungen sind. Sie lobt dann sofort. Bei den anderen bricht sie in aller Ruhe ab und beginnt von Neuem. Ich frage mich, was sie tut, wenn 2 Stunden lang kein Wechsel perfekt gelingt.

Klimkes Lehrfilme unterscheiden sich von denen ihres Vaters hauptsächlich nur durch eine moderne Sprache. Sogar die Cavaletti – Stangen, die zunächst im Schritt überwunden werden, kommen noch vor.

Erfrischend ist ihr Krafttraining am Berg. Es ist ein Berg, wo auch die Hengste auf die umliegenden Weiden schauen und lernen könen mit Abwechslung umzugehen. Wie erwartet, gibt Dressman nur ein bischen an, er ist noch lockerer und zeigt sich eher positiver als abgelenkt und beeindruckt. Klimke nutzt den Berg für Zickzack-Taversalen, bergauf wird im Arbeits- und im Mitteltrab geritten, und bergab versammelt. Im Schritt logischerweise dasselbe.

Auch das Cavaletti – Krafttraining verläuft wie im Bilderbuch. Der Aufbau überzeugt dennoch. Auf dem Zirkel werden Trabstangen angeordnet und Galoppstangen (innen 1,50 und außen 2 Meter). An zwei Zirkelpunkten dazwischen wird mit Hüten der Ort für den Übergang markiert. Nun trabt sie über die Stangen, galoppiert am Hütchen wieder an und überwindet die Cavalettis im versammelten Galopp im Dressursitz im Dressursattel. Am nächsten Hütchen wieder ein Übergang in den Trab und es folgen die Trabstangen, die später hochgestellt werden können. Nach 3-4 Runden wechselt sie auf die andere Hand. In Zeitlupe wird die Starke Hankenbeugung, die die Cavalettis erzwingen sehr deutlich. ” Das gibt Kraft.” , kommentiert sie abschließend.

Zur Klasse S demonstiert sie, dass ” Longenpapst Gehrmann ” sie einmal in der Woche unterstützt, um die Piaffe und Passage mit ihren Pferden am langen Zügel zu erarbeiten. Sie sagt uns noch wie sie ihre Serienwechsel zählt, damit ihr die Einteilung auf der nächsten Linie noch besser gelingt.

Fragen werden in der Pause einer kleinen Gruppe von Zuschauern beantwortet. Die Ausbildung des Dressurpferdes wird in bilderbuchmanier dargestellt. Was nur stört, ist die Tatsache, dass das in 16 zu 9 augenommene Video in 4 zu 3 – Verhältnis auf die Projektionsfläche geworfen wird. Dadurch ist das Bild verzerrt und komprimiert. Es ist sozusagen in der Vertikalen unnatürlich in die Länge gezogen. Dadurch kann man eigentlich korrekte Anlehnung oder Dehnung, ob die Nase vor ist, oder ob ein Pferd sich zusammen rollt oder zieht und wie es denn richtig aussehen sollte, gar nicht wirklich beurteilen. Ingrid Klimke sieht dadurch auf dem Pferd noch schmaler aus, als sie in der Wirklichkeit eigentlich ist. Das stört ein wenig. Kann das Technikteam des Reiterforums daran bitte mal drehen ? Zum Glück gibt es genau heute einen Vortrag im AZL über die Wichtigkeit der korrekten Anlehnung und Aufrichtung in Dressur und Springen. Referentin: Ingrid Klimke. Da hören wir sicher Interessanteres & Neues.

Nach der Pause folgt der Vortrag von Tjark Nagel, dem international erfolgreichen Springreiter und Ausbilder. Sein Thema:
“Das Einspringen von der Remonte bis zur Springpferdeprüfung”. Ja genau, wer schon ein bis zweimal auf einem Reiterforum war, stellt fest, es ist immer das gleiche. Diesen Vortrag mit selbem Inhalt haben wir schon von Hans-Heinrich Engemann, von Karsten Huck, von Eva Bitter oder von Toni Haßmann gehört. Im Gepäck hat Nagel einen Ritt von Janne-Friederike Meyer ,deren Trainer er ist, und vom Stylisten Markus Ehning mit Plot Blue.

Tjark Nagel ist witzig. Er hat viele Grafiken mitgebracht, wo er Abstände und den Aufbau vom ersten Springtraining bis zum ersten Parcours genau skizziert hat. Besonders lustig: Das falsche Abwenden bei einer Verweigerung. Es ist der schönste Vortrag zu diesem Thema.

Eine Anekdote von Karsten Huck wiederholt Frank R. Henning immer mal wieder. So auch heute: Kartsen Huck und Frank Henning unterhalten sich über das Auge eines Springreiters. “Das ist das wichtigste für einen Springreiter”, sagt Karsten Huck. ” Und wenn man kein Auge hat ? ” fragt Frank Henning. ” Dann wird man Dressurreiter. ” antwortet Karsten Huck.